Wie du deinen Wettkampfstress in Energie umwandelst
Erfahre, wie du den Stress vor dem Wettkampf bewältigen und deine Energie mithilfe von drei Übungen effektiv kanalisieren kannst.
Es ist soweit. Es ist Mitte April, die Wettkampfsaison beginnt und du bist dabei, dir deine erste Startnummer des Jahres anzuheften. Du hast den Winter damit verbracht, zu trainieren und in der Kälte Kilometer zu sammeln, und doch, wenige Tage oder Stunden vor dem Start, schleichen sich Zweifel ein. Dein Herz schlägt etwas schneller, dein Magen verkrampft sich und eine Frage geht dir immer wieder durch den Kopf: „Bin ich wirklich bereit?“.
Mach dir keine Sorgen, dieses unangenehme Gefühl ist völlig normal. Um einen erfolgreichen Sportstart hinzulegen, musst du einfach verstehen, wie diese Angst vor dem Lauf funktioniert, und vor allem aufhören, dagegen anzukämpfen.
Warum gerät dein Körper vor dem Start in einen Stresszustand?
Dieser Stressanstieg ist kein Zeichen für schlechte Vorbereitung, sondern eine physiologische Überlebensreaktion. Angesichts einer Herausforderung (in diesem Fall deinem Lauf) nimmt dein Gehirn eine Bedrohung wahr. Es löst daraufhin die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol aus, um deinen Körper auf die Anstrengung vorzubereiten. Deine Herzfrequenz steigt, um mehr Sauerstoff zu deinen Muskeln zu transportieren, und deine Wachsamkeit nimmt zu.
Rein physiologisch gesehen versetzt sich dein Körper in die bestmöglichen Bedingungen, um Leistung zu erbringen. Das Problem liegt nicht in diesen Empfindungen, sondern in der Interpretation, die dein Verstand daraus macht.
Der klassische Fehler: um jeden Preis versuchen, sich zu beruhigen
Der natürliche Reflex angesichts von Stress vor einem Wettkampf ist, sich zu sagen: „Ich muss mich beruhigen, ich muss mich entspannen.“ Das ist jedoch kontraproduktiv. Von einem mit Adrenalin gefüllten Nervensystem zu verlangen, die Ruhe eines Nickerchens auf dem Sofa wiederzufinden, ist physiologisch unmöglich. Indem du versuchst, diese Ruhe zu erzwingen, löst du einen inneren Konflikt aus, der noch mehr Angst erzeugt.
Die Lösung besteht nicht darin, die Energie des Stresses zu unterdrücken, sondern sie umzulenken.
Hier sind 3 konkrete Tipps, wie du das bei deinem nächsten Lauf umsetzen kannst.
1. Die physiologische Umdeutung
Auf körperlicher Ebene sind Angst und Aufregung fast identisch: schneller Herzschlag, Schmetterlinge im Bauch, beschleunigte Atmung. Der einzige Unterschied besteht darin, wie du diese Empfindungen bezeichnest.
Der Trick: Sobald du diese Symptome an der Startlinie spürst, hör auf, dir zu sagen: „Ich bin nervös“. Ersetz diese Gedanken durch „Mein Körper ist bereit, ich freue mich darauf, loszulegen“.
Diese einfache Änderung der Wortwahl (ein wirkungsvoller kognitiver Prozess) verändert die Art und Weise, wie dein Gehirn das Ereignis wahrnimmt. Du wechselst von einer Haltung der Bedrohung zu einer Haltung der Herausforderung.
2. Die Konzentration auf den Prozess
Angst entsteht oft, wenn man sich zu sehr auf das Endergebnis konzentriert: die erhoffte Zeit, die Platzierung, die Angst zu enttäuschen. Das nennt man die Fokussierung auf das Ergebnis – etwas, das du nicht vollständig kontrollieren kannst.
Der Tipp: Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf das, was du hier und jetzt kontrollieren kannst: den Weg dorthin. Anstatt an die Ziellinie zu denken, konzentriere dich auf die ersten 5 Kilometer. Richte deine Gedanken auf deine Schrittfrequenz, deinen Laufrhythmus, deine Flüssigkeitszufuhr oder deine Atmung.
Indem du deinem Gehirn unmittelbare und konkrete Aufgaben gibst, unterbindest du den Zugang zu ängstlichen Gedanken, die mit der Zukunft verbunden sind.
3. Die "Sicherheitsblase"
In den Stunden vor dem Start herrscht oft Chaos (Lärm, Menschenmassen, Startnummernausgabe). Dieses Chaos erhöht die psychische Belastung und die Nervosität.
Der Tipp: Leg dir für die letzten 60 Minuten vor dem Start eine feste Routine zurecht. Führe bei jedem Lauf dieselben Handgriffe in derselben Reihenfolge aus: Schuhe schnüren, Aufwärmübungen, Musik hören.
Diese Routine wirkt wie ein Autopilot. Sie beruhigt dein Gehirn, indem sie ihm inmitten der Ungewissheit des Wettkampfs einen vertrauten und vorhersehbaren Rahmen bietet.
Die Nervosität vor dem Lauf ist der Beweis dafür, dass dir das, was du tust, wichtig ist. Lauf nicht davor weg, nutze sie.
Viel Erfolg beim Lauf und eine tolle Saison!
Mit 30 Jahren Erfahrung ist Benoît Zwick ein Experte für sportliche Leistung, der sich auf mentale Vorbereitung spezialisiert hat. Er ist der Gründer von Nexoo, der Referenzplattform, die entwickelt wurde, um mentale Vorbereitung zu modernisieren und für alle Sportler zugänglich zu machen.
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