Do., 10. September 2026Andrea Salvisberg im Datasport-Check
Description

Fotos: Diego Menzi

Andrea Salvisberg, zweifacher Olympiateilnehmer und EM-Bronzegewinner im Triathlon, hat beim Ironman Kalmar in 7:28:53 Stunden einen neuen Schweizer Rekord aufgestellt – acht Minuten schneller als der bisherige Bestwert von Ruedi Wild. Nach einer schweren Hirnhautentzündung 2023, die den 37-Jährigen acht Monate ausser Gefecht setzte, und frisch Vater geworden, krönt die Leistung sein Comeback. Das Resultat in Kalmar sichert ihm einen Startplatz an der Ironman-WM auf Hawaii am 10. Oktober – für ihn die Erfüllung seiner drei grossen Lebensziele: Olympia, Hawaii, Vaterschaft.

Hawaii

In meinem Leben gab es drei Meilensteine, die ich erreichen wollte: Olympia, Hawaii und Vater werden. Dass es nach all den Rückschlägen doch noch mit Hawaii geklappt hat, macht mich unglaublich stolz. Der Ironman in Hawaii wird aufgrund der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit eine grosse Herausforderung. Inzwischen weiss ich aber, wie ich mich bei welchen Bedingungen mit Salz und Kohlenhydraten versorgen muss, um keine Leistungseinbussen zu haben. Wenn alles perfekt läuft, ist mein Ziel eine Top-10-Platzierung. Aber auch eine Platzierung unter den Top 15 oder Top 20 wäre noch ein Erfolg.

Hirnhautentzündung

Im August 2023 wurde bei mir eine Hirnhautentzündung diagnostiziert, die sich durch eine zusätzliche Corona-Infektion weiter verschlimmerte. Über acht Monate hinweg kam und ging starkes Fieber. An normales Training war nicht zu denken. Bis auf Samsonite, die mich mit Koffern für meine Reisen zu den Triathlons auf der ganzen Welt ausrüsten, sprangen alle Sponsoren ab. Das war eine unglaublich schwierige Zeit und es wäre einfach gewesen, meine Karriere in dieser Situation zu beenden. Ich habe die Herausforderung jedoch angenommen und wurde jetzt, drei Jahre später, belohnt.

Verpflegung

Für mich ist die Verpflegung auf der Mittel- und Langdistanz ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Erst dieses Jahr und nach mehreren Versuchen in den Rennen der letzten Jahre habe ich die für mich richtige Verpflegungsstrategie gefunden. Ich hatte immer wieder Magenprobleme, die sich negativ auf meine Leistung auswirkten, bis ich herausfand, dass ich Kohlenhydrate am besten in flüssiger Form aufnehme. Durch verschiedene Tests habe ich zudem festgestellt, dass mein Körper extrem viele Kohlenhydrate verbrennt und ich sehr viel Flüssigkeit verliere. Ab 25 Grad sind es zwei Liter auf dem Rad und zweieinhalb Liter beim Laufen. Diesen Umständen trage ich nun Rechnung, indem ich 160 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde zuführe. Dies habe ich in den letzten Monaten Schritt für Schritt trainiert. Beim Laufen bin ich mit einem Trinkrucksack unterwegs, in dem zwei Liter Flüssigkeit Platz haben.

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Coach

Nach meiner Krankheit habe ich jemanden gesucht, der mich einerseits unterstützt und andererseits erfahren genug ist. Mit Ben Reszel habe ich einen solchen Coach gefunden. Vor drei Jahren war er noch weitgehend unbekannt, inzwischen ist er sehr gefragt und trainiert neben mir auch den dreifachen Ironman-Weltmeister Patrick Lange und den zweifachen Ironman-70.3-Weltmeister Jelle Geens.

Trainingsphilosophie

Trainiere konstant und diszipliniert, vergiss dabei aber nicht, das Leben zu geniessen.

Schlüssel zum Erfolg

Ich erachte die Konsistenz als den wichtigsten Schlüssel. Wer dranbleibt, verbessert sich automatisch. Bei den Athleten, die ich betreue, sehe ich jedoch, dass die Fitness durch Unterbrechungen immer wieder negativ beeinflusst wird.

Stärke

Meine grosse Stärke liegt eigentlich beim Schwimmen. Durch das Training bin ich mittlerweile aber auch auf dem Rad und beim Laufen gut. Und weil ich die Verpflegung jetzt im Griff habe, darf ich mich als Allrounder bezeichnen.

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Schwäche

Im Vergleich zu den Allerbesten, die von Montag bis Sonntag zwischen 30 und 40 Stunden trainieren, trainiere ich schlicht zu wenig. Mein Lebensstil, meine Rolle als Vater und mein Bedürfnis, neben dem Sport noch ein Leben zu haben, lassen einfach nicht mehr zu.

Trainingsalltag

Ich trainiere in einer normalen Woche rund 25 bis 30 Stunden, in einer Woche mit Wettkampf 15 bis 20 Stunden (inkl. Rennen). Meine Wochen sehen normalerweise so aus:

 

Stunden

Einheiten

Montag

1-2 h

Aktiver Ruhetag mit einer Stunde Schwimmen und Stabilität/Mobilität

Dienstag

3-4 h

Laufeinheit auf der Bahn mit anschliessender lockeren Veloeinheit und zusätzlicher Schwimmeinheit

Mittwoch

6-7 h

Intensive vierstündige Veloeinheit, stündige lockere Laufeinheit und stündige Schwimmeinheit

Donnerstag

 

Papitag

Freitag

4 h

Intensive zweieinhalbstündige Laufeinheit mit anschliessender anderthalbstündiger lockerer Velofahrt

Samstag

6-7 h

Intensive sechsstündige Veloeinheit und Stabilität/Mobilität

Sonntag

6-7 h

Lange Radfahrt und nach einer zwei- bis dreistündigen Pause ein langer Lauf

Total

26 - 31 h

 

Um dieses Training zu bewältigen, ist eine gute Ernährung vor, während und nach den Belastungen sowie natürlich entsprechende Erholung wichtig.

Erholung

Obwohl ich aktuell das Gefühl habe, bezüglich Fitness in der Form meines Lebens zu sein, erhole ich mich nicht mehr so schnell wie noch vor ein paar Jahren. Hinzu kommen seit zehn Monaten und der Geburt unserer Tochter teils etwas kürzere Nächte, wobei sie mir so viel Energie zurückgibt, dass es sich ausgleicht.
Nach harten oder langen Trainingseinheiten nehme ich jeweils einen Proteinshake zu mir und lasse mich regelmässig massieren. Darüber hinaus dehne ich drei bis vier Mal pro Woche 20 bis 40 Minuten, um Problemen vorzubeugen.

Kadenz

Eine hohe Trittfrequenz ist beim Radfahren wichtig, damit man beim Laufen noch in der Lage ist, zu pushen. In der Regel sind es bei mir mehr als 90 Umdrehungen pro Minute, die ich im Training und Wettkampf zu erreichen versuche.

Krafttraining

Krafttraining mache ich auf dem Rad an Steigungen, beim Laufen mit Hügelläufen und beim Schwimmen mit Pullbuoy und Paddles. Zusätzlich absolviere ich zweimal pro Woche Übungen zur Rumpfstabilisierung.

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3 Tipps für Triathleten

  • 1.

    Trainiere konstant, um deine Fitness kontinuierlich zu verbessern.

  • 2.

    Ernähre dich vor, während und nach dem Training und Wettkampf gut. Wenn du mit genügend Kohlenhydraten unterwegs bist, ist die Trainingsqualität und die Erholung viel besser.

  • 3.

    Um besser zu werden, muss die Freude am Sport deine Triebfeder sein.

Mein Geheimtipp

Wenn du wie ich viel schwitzt, lohnt es sich, deine Rennen mit einem Camelback zu bestreiten. So kannst du regelmässig und ausreichend trinken und viele Kohlenhydrate zu dir nehmen.
 

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