
Um die Geschwindigkeit gegen die Schwerkraft zu halten, ist ein ausdauernder und kraftvoller Streckapparat unverzichtbar. Wir zeigen dir drei unverzichtbare Übungen.

Da während der Pandemie weder Eishockey noch Unihockey mehr möglich waren, hat Jerome Furer mit dem Laufen begonnen. Und wie! Nach diversen Erfolgen bei Strassenläufen wurde der 28-Jährige Mitte April Schweizer Meister im Trailrunning und wird die Schweiz nun im Juni erstmals an den in Slowenien stattfindenden Trailrunning-Europameisterschaften vertreten.
Ich war nach meinem Umstieg vor fünf Jahren vom Eishockey und Unihockey aufs Laufen zuerst als Strassenläufer unterwegs. Mittlerweile bin ich vom Trailrunning richtig begeistert. Strassenläufe werde ich aber weiterhin ab und zu absolvieren, um meine Geschwindigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Denn mittlerweile definiert sich Trailrunning auch über Geschwindigkeit und nicht nur über Ausdauer.
Im Unterschied zu einem Strassenläufer absolviere ich die Dauerläufe konsequent mit Höhenmeter (400 Höhenmeter oder mehr), laufe Intervalle vermehrt am Berg und mache längere Long Runs. Um meine Geschwindigkeit zu erhalten, trainiere ich drei von vier schnellen Einheiten aber nach wie vor ohne Höhenmeter. Um meine Technik zu optimieren, schaue ich mir gerne Videos von schnellen Läufern an oder studiere meinen eigenen Laufstil. Dabei versuche ich, gute Muster zu kopieren und schlechte auszumerzen. Stark verändert habe ich meine Armarbeit. Die ist am Berg deutlich aktiver.
Ich laufe an sechs Tagen und komme auf sieben bis acht Laufeinheiten und rund 140 Wochenkilometer, zwei bis drei Rumpfgymnastik- und Fussstabilitäts- sowie ein Krafttraining pro Woche. Freitag ist oft mein «Ruhetag», wobei ich da den Arbeitsweg mit dem Rad zurücklege.
Eine typische Woche sieht folgendermassen aus:
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Einheit 1 |
Einheit 2 |
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Montag |
Dauerlauf coupiert |
Rumpfgymnastik und Fussstabilität |
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Dienstag |
Intervall (Schwelle) |
Krafttraining im Kraftraum |
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Mittwoch |
Dauerlauf coupiert |
Rumpfgymnastik und Fussstabilität |
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Donnerstag |
Intervall (Schwelle bergauf) |
Intervall (VO2max auf der Bahn) |
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Freitag |
Velo (Arbeitsweg) |
Fussstabilität |
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Samstag |
Intervall (Schwelle / VO2max) |
Velo |
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Sonntag |
Long Run coupiert |
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Ich absolviere zwei bis dreimal pro Woche ein kombiniertes Rumpfgymnastik- und Fussstabilitätsprogramm und konnte so grosse Fortschritte erzielen. Ich bin im Fussbereich viel stabiler, fühle mich beim Laufen im Gelände sicherer, habe mehr Vertrauen und kann schneller bergab laufen.
Nach einer Stressfraktur vor anderthalb Jahren hat sich meine Trainingsphilosophie manifestiert. Für mich ist weniger mehr – Qualität ist mir wichtiger als Quantität. Ich bevorzuge ein qualitativ gutes Training gegenüber zwei Lauftrainings pro Tag. Zudem ist es mir sehr wichtig, dass das Training Spass macht.
Ich bin Teil einer Trainingsgruppe schneller Strassen-, Trail- und Orientierungsläufer in Bern, die von Beat Aeschbacher betreut wird. Wir profitieren enorm voneinander und funktionieren wie ein Team. Wir pushen uns gegenseitig und freuen uns über die Erfolge der anderen.
Meiner Meinung nach ist Konstanz im Training der Schlüssel zum Erfolg. Es bringt nichts, eine Woche lang viel zu trainieren und dann wieder kaum. Wer über Monate hinweg konsequent auf ein Ziel hinarbeitet, wird Erfolg haben.
Als Berner ist der Grand-Prix von Bern fast Pflicht zu laufen. Danach sind die Trailrunning-Europameisterschaften in Slowenien Anfang Juni das grosse Ziel und in der zweiten Saisonhälfte der Jungfrau-Marathon. Dazwischen laufe ich noch den einen oder anderen Strassen- oder Berglauf.
Ich dehne regelmässig jeden zweiten Abend, gehe alle zwei Wochen in die Massage und nutze Recovery Boots zur Erholung. Ich war zu Beginn etwas skeptisch, aber ich habe das Gefühl, dass diese Kompressionsmassage bei mir effektiv Wirkung zeigt.
Ich arbeite in einem 60%-Pensum als Werkstattleiter in einer Schreinerei, wobei ich teils sitzend im Büro arbeite, teils auf den Beinen bin, wenn ich in der Werkstatt unterwegs bin. Durch das reduzierte Pensum habe ich optimale Bedingungen, um zu trainieren und mich vor allem genügend zu erholen.
Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn die Schuhe leicht, flexibel und griffig sind. Doch der Motor ist wichtiger als die Schuhe. Carbon ist beim Trailrunning weniger ein Thema als bei Rennen auf der Strasse. Da bringen mir die voluminösen Schuhe ganz klar Vorteile.
Aufs Laufen bezogen ist meine Stärke das Bergauflaufen im Trailrunning. Ganz grundsätzlich sind es der Biss und die Konsequenz im Trainingsalltag. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, bin ich zu 100% dabei und es gibt keine Kompromisse.
Läuferisch habe ich aktuell sicher noch Verbesserungspotenzial beim Bergablaufen. Im Allgemeinen verliere ich mich gerne im Detail. Ich versuche stets, alles zu optimieren, und sollte auch mit weniger zufrieden sein.
Im Flachen steuere ich die Intensität über die Pace, bergauf und im coupierten Gelände über den Puls. Mein Coach nutzt eine Zehnerskala, um die einzelnen Trainingseinheiten bzw. die gefühlte Anstrengung zu definieren. Den Dauerlauf absolvieren wir mit einer 2, das Intervalltraining (Schwelle) mit einer 6, die VO2max-Einheiten mit einer 7 und den Long Run mit einer 4. Das Rennen schliesslich soll sich wie eine 9 anfühlen.
Man sollte die Erholung nicht vernachlässigen und unterschätzen. Man denkt immer: «Ich trainiere so viel wie möglich und erhole mich dann beim Arbeiten.» Aber das funktioniert nicht. Erst die Erholung nach dem richtigen Training macht dich besser!