Di., 31. März 2026Pascal Rüeger im Datasport-Check
Fotos: zVg
Im Rahmen der italienischen Langstreckenmeisterschaften hat Pascal Rüeger einen der ältesten Schweizer Leichtathletik-Rekorde geknackt. Der 45-jährige Aargauer siegte beim 100-km-Lauf südöstlich von Rimini in 6:18:27 Stunden und pulverisierte damit den nationalen Rekord aus dem Jahr 1985 gleich um 8:57 Minuten.
Rekordlauf am Ultra Conero
Der Schweizer Rekord mit 6:18:27 Stunden ist das Endergebnis eines sehr langen Weges. Dieser begann vor zwei Jahren, als ich 6:41:32 gelaufen bin. Da wusste ich, mit guter Vorbereitung kann ich den Schweizer Rekord laufen. Es ist aber enorm schwierig, ein perfektes Rennen zu finden. Der Termin muss passen, die Strecke muss anerkannt und von World Athletics vermessen sein, starke Mitbewerber würden helfen und der Event muss vom Aufbau her in die Saisonplanung passen. Ich habe mich dann auf den Weg gemacht und bin x-mal gescheitert. Mal war es zu heiss, dann zu regnerisch und ein anderes Mal zu windig. Dieses Mal in Italien wusste ich, dass ich aufgrund der Fitness eine gute Zeit laufen kann. Ich wusste aber auch, dass alles passen muss. Entsprechend nervös war ich.
Das Rennen ist dann ziemlich nach Plan abgelaufen. Ich bin die ganzen 100 Kilometer alleine und ohne Pause durchgelaufen und habe nie zurückgeblickt. Der Velofahrer, der die Spitze des Rennens bedeutete, war neben meiner Partnerin, die mich Runde für Runde mit Gels und Getränken versorgt, mein einziger Fixpunkt. Ich war total konzentriert und erst auf den letzten 500 Metern sind die Emotionen hochgekommen. Dann aber so richtig.
Ziele für 2026
Als Läufer ist man nie ganz zufrieden. Zufriedenheit finde ich im Prozess und nicht im Ziel. Das motiviert mich und lässt mich stets weitertrainieren. Insofern gibt es für mich noch viele Ziele. In den nächsten Jahren möchte ich vor allem einmal einen 24-Stunden-Lauf sauber ins Ziel bringen. Das habe ich bis jetzt noch nicht geschafft.
Jahresaufbau
Ich suche mir jeweils im Frühjahr und im Herbst verschiedene Höhepunkte aus und schaue gleichzeitig, wann die WM stattfindet. So habe ich mehrere Fixpunkte und Rennen, die das Programm vorgeben.
Trainingsalltag
Ich absolviere bis zu 15 Lauftrainings pro Woche, in der Regel alleine. Im Schnitt komme ich auf 160 bis 200 Wochenkilometer, in Spitzenwochen sogar auf bis zu 300 Kilometer. Am Donnerstag absolviere ich meine zwei ultra-spezifischen Einheiten, die ich von Woche zu Woche bis auf 50 Kilometer am Morgen und 50 Kilometer am Nachmittag steigere. Dazu kommen am Dienstag und am Samstag oder Sonntag jeweils eine intensive Einheit im Schwellenbereich (zum Beispiel 3 x 4 km) oder darüber (zum Beispiel 10 x 1 km). An den anderen Tagen laufe ich zwei- bis dreimal im tiefen Intensitätsbereich. Die Zeit zwischen den Trainingseinheiten nutze ich für Erholung und meine Arbeit als Content Creator.
Lieblingstraining
Lange, mittelintensive Läufe: Zwei Mal drei Stunden am selben Tag. Da kann ich das, was ich gerne mache, am meisten geniessen.
Intensitätssteuerung
Vor allem über die Herzfrequenz. Ich nutze die Pace, um mich der Zielintensität anzunähern. Das Gefühl spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Ich vertraue aber lieber der Herzfrequenz.
Coach
Ich mache alles selbst. Ich habe mir das nötige Wissen über Training und Ernährung durch das Studium diverser Studien selbstständig angeeignet. Ich weiss, was richtig wäre, und habe es an mich angepasst.
Schlüssel zum Erfolg
Meiner Meinung nach sind drei Dinge entscheidend: Erstens ist ein gutes Training in physischer Hinsicht wichtig, zweitens sind eigene Erfahrungswerte entscheidend und drittens ist mentale Stärke unerlässlich.
Meine Stärke
Ich bin jemand, der immer wieder aufsteht und weitermacht. Ich würde sagen, ich bin eine sehr resiliente Person.
Meine Schwäche
Schwimmen: Aus mir wäre nie ein guter Triathlet geworden. Und die Geduld. Ultralauf hat mir jedoch unfassbar gut beigebracht, dass man für gewisse Ziele viel Geduld aufbringen muss. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das lernen durfte und daran wachsen kann.
Herausforderungen im Wettkampf
Bei einer Renndauer von über sechs Stunden gibt es viele Unsicherheiten. Ernährungstechnisch weiss man beispielsweise nie, ob alles funktioniert oder ob Bauchschmerzen oder Magenkrämpfe auftreten. Irgendwann verlangsamt sich die Energieaufnahme und man fragt sich zusätzlich, ob man mental die Kraft hat, es über die volle Distanz durchzuziehen. Gerade auch, wenn plötzlich Hitze, Wind oder andere Dritteinflüsse aufkommen. Das macht etwas mit dir, ob du es wahrhaben willst oder nicht.
Geheimtipp
Lass dich nicht entmutigen und glaube fest an dich.
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