Valerio Grond im Datasport-Check

21. November 2025

Foto: Anderesformat

Der 25-jährige Bündner Valerio Grond gehört zu den grossen Hoffnungen des Schweizer Langlaufteams. Der U23-Weltmeister im Sprint und Teil der Silber-Staffel vom vergangenen Winter in Trondheim hat in dieser Saison die Olympischen Spiele im Blick.

Saison 25/26

Diese Saison steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele, die im Februar in Mailand und Cortina ausgetragen werden. Schon als Kind war es mein Traum, dorthin zu gelangen und eine Medaille zu gewinnen. Mit einem guten Start in den Winter sollte mir die Qualifikation für die Olympischen Spiele nicht zu grosse Sorgen bereiten. Gelegenheiten dazu bieten sich zum Beispiel bei den zwei Schweizer Höhepunkten in Davos (12.-14. Dezember) und im Goms (23.-25. Januar), aber auch bei allen anderen Weltcuprennen. Um den Druck etwas zu verringern, versuche ich, gleich in den ersten Rennen gute Ergebnisse zu erzielen. Vom Formaufbau her ist es kein Problem, mehrere Peaks zu haben.

Dieses Jahr möchte ich mich nicht nur auf den Sprint, sondern auch auf die 10-Kilometer-Distanz konzentrieren. Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen Fähigkeiten auch bei dieser längeren Ausdauerbelastung gute Ergebnisse erzielen kann und viel vom Reiz profitieren werde.

Trainingsphilosophie

Mir ist wichtig, dass ich meinem Trainer Erik Braaten zu 100 Prozent vertrauen kann und dass wir konstruktiv zusammenarbeiten. Wir arbeiten jetzt in unserer zweiten Saison zusammen, stehen in sehr engem Kontakt und sehen uns rund fünf Mal pro Woche. Es hat sich bewährt, dass wir jeweils an grossen Dingen arbeiten und unsere Ziele konsequent verfolgen. Zuletzt war das beispielsweise die Verbesserung der Grundlagenausdauer.

Trainingsalltag

Ich trainiere in der Regel zweimal pro Tag für zwei bis zweieinhalb Stunden. Am Vormittag steht in der normalen Trainingswoche eine qualitative Ausdauer-, Intervall- oder Kraft-Einheit auf dem Programm, am Nachmittag folgt eine ruhige Ausdauereinheit. Die Zeit dazwischen nutze ich für Erholung oder zweimal pro Woche für Physiotherapie mit prophylaktischen Übungen oder Massagen. Einmal pro Woche steht eine vierstündige Ausdauereinheit auf dem Programm und etwa alle zehn Tage ein kompletter Ruhetag. Abends bleibt Zeit fürs Studium oder das gelegentliche Treffen mit Freunden.

Sommertraining

Die Basis für einen erfolgreichen Winter wird im Sommer gelegt. Wir starten das Sommertraining traditionell am 1. Mai. Zu Beginn sind wir sehr polysportiv unterwegs, zu Fuss und mit dem Rennrad. Gegen Herbst hin wird es immer spezifischer. Pro Woche kommen wir im Schnitt auf 20 bis 25 Stunden. In den Monaten Juni, Juli und August ist das Volumen der Trainingsstunden am höchsten.

80 % des Trainings finden im Grundlagenbereich statt. Ergänzt werden diese durch zwei bis drei Intervalle (z.B. 5 x 12 min an der Schwelle), die Richtung Herbst tendenziell kürzer und intensiver werden. Jeden Monat sind wir einmal in einem Trainingslager. Diese Abwechslung ist vor allem mental sehr hilfreich, und gerade im Bereich der Rollskibahnen profitieren wir stark von den Infrastrukturen in Deutschland und Norwegen.

Technik

Im Bereich der Technik ist man nie fertig. Es gibt immer Möglichkeiten, die Technik noch effizienter zu gestalten oder die Kraftübertragung zu optimieren. Dabei orientiere ich mich entweder an Vorbildern wie Johannes Høsflot Klæbo, in der klassischen Technik am Finnen Iivo Niskanen, oder ich arbeite mit Coach Erik Braaten, dem mittlerweile zurückgetretenen Teamkollegen Jonas Baumann oder meinen Teamkollegen zusammen.

Die Technik ist prinzipiell in jeder Einheit ein Thema. Ich versuche, mich stets auf ein Element zu konzentrieren, es aktiv umzusetzen und die Abläufe einzuschleifen. 

Studium

Nach der Matura am Sportgymnasium Davos habe ich ein BSc-Studium in Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni.ch begonnen. So kann ich Leistung auf den Ski mit Leistung im Kopf verbinden. Ganz einfach ist das aber insbesondere während der Saison nicht. Da kann es schon vorkommen, dass Zeit, Lust und Motivation fehlen. Doch spätestens wenn die Prüfungen im Frühling anstehen, ist Disziplin gefragt und alles in allem überwiegt die willkommene Abwechslung durch die Kopfarbeit.

Stärke

Ich bin sehr ehrgeizig und zielorientiert. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, gebe ich alles dafür. Und erreiche es in der Regel auch;-) Im Rennen würde ich meinen Instinkt als Stärke bezeichnen.

Schwäche

Wenn es nicht gut läuft, kann es mental zu einem Problem werden. Wenn ich aber im Flow bin, dann ist genau das Gegenteil der Fall. Dann bin ich kaum mehr zu bremsen. In den Rennen waren es früher die klassische Technik und Ausdauerwettkämpfe. Das ändert sich aber derzeit gerade in eine positive Richtung.

Material

Wir Schweizer sind definitiv vorne mit dabei, wenn es um das Material geht. Dies vor allem bei warmen Bedingungen und dank dem, dass die Schweiz schon früh in die Forschung nach Fluor-Alternativen investiert hat.

Ganz allgemein sehe ich die Material-Frage entspannt, da ich sie nicht selber beeinflussen kann. Der Konkurrenzkampf herrscht unter den Wachsteams selber. Wir Athleten profitieren nur davon.

Sprint

Der Begriff ist eigentlich etwas irreführend, denn unsere Belastung von rund drei Minuten ist eher mit der eines 1500-Meter-Läufers vergleichbar. Hinzu kommt, dass wir im Idealfall innerhalb kurzer Zeit vier Läufe bestreiten müssen. Spätestens jetzt wird klar, dass eine gute Ausdauer entscheidend ist und wir keine Sprinter, sondern vielmehr Ausdauerathleten sind.

Um auch im Finale noch genügend Kraft zu haben, nehmen wir zwischen den Läufen in Form von kohlenhydrathaltigen Getränken, Shakes, Gels und Koffein Energie zu uns. Um das Laktat abzubauen und den Körper warm zu halten, bewegen wir die Beine auf dem Hometrainer, auf Skiern oder beim langsamen Joggen.

Intensitätssteuerung

Wir orientieren uns fest am Puls, wobei es stets wichtig ist, nicht blind den Zahlen zu folgen, sondern auch das Gefühl gut miteinzubeziehen. Gerade in trainingsintensiven Phasen kann es beispielsweise vorkommen, dass der Puls nicht mehr gleich stark ansteigt. In solchen Situationen muss ich mich auf mein Gefühl verlassen können.

Auffälligkeiten beim Ruhepuls oder bei der Herzfrequenzvariabilität sind für mich Warnsignale. Das Training passe ich aber stets nach Gefühl an.

Geheimtipp

Höre auf deinen Körper und sei stets neugierig, um dich weiterzuentwickeln. Um dein Ziel zu erreichen, ist harte Arbeit erforderlich.