Di., 19. Mai 2026Das brauchen Trailrunner wirklich
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Foto: ©Bastien Seon

Mit dem Trailrunning-Boom hat auch die Industrie Gas gegeben und Produkte entwickelt, die vor allem diejenigen Läuferinnen und Läufer ansprechen sollen, die gerne offroad laufen. Doch was braucht es wirklich, was ist nice to have – und was überflüssig?

Das Wichtigste: Trailrunning-Schuhe

Trailrunning beginnt ganz unten, bei den Schuhen. So gross die Bandbreite an möglichen Trailrunning-Situationen ist, so umfangreich präsentiert sich das Trailrunning-Laufschuhangebot im Fachgeschäft. Vor allem der Untergrund bestimmt die Bauweise, denn grundsätzlich verhält es sich beim Trailrunning ähnlich wie beim Velofahren: Mit einem Zeitfahrvelo kann man nicht ins Gelände und mit einem Downhill-Bike gewinnt man kein Strassenrennen.

Trailrunning-Schuhe sind daher für die spezifischen Anforderungen im fordernden Gelände gebaut – und damit sind nicht Feld- und Waldwege gemeint. Wesentlich ist auch, ob du dir einen spezifischen Trailrunning-Event zum Ziel gesetzt hast, denn ein Trailrunnning-Lauf im steten Auf und Ab erfordert einen komplett anderen Schuh als ein klassischer Berglauf, bei dem es nur bergauf geht wie beispielsweise ein Jungfrau-Marathon oder Aletsch Halbmarathon.

Klassische Trailrunning-Schuhe haben eine stabilere Sohle mit mehr Profil als gewohnte Trainingsschuhe und ein robusteres Obermaterial. Die Sohle ist für einen sicheren und flachen Stand oft etwas verbreitert und vorne schützt eine Zehenkappe vor dem Anschlagen an Steinen. Je geschützter der Fersen und Zehenbereich, desto sicherer der Einsatz im gerölligen Gelände. Gleichzeitig gilt: Je mehr Schutzfunktionen (hochgezogene Zehenbox, Stützelemente, wasserfeste (Gore Tex) Membran, strapazierfähiges Aussenmaterial), desto schwerer und klobiger wird ein Schuh.

Kommt noch schlechtes Wetter dazu, werden die Anforderungen noch spezifischer, da ist ein sehr grobes Profil mit gutem Grip Voraussetzung für sicheres Laufen. Und auch die Distanz verändert die Bedürfnisse an das passende Modell. Je länger die Distanz und grösser die Anzahl Abwärtsmeter, desto wichtiger wird der Komfort und es kommen vermehrt gut dämpfende Schuhe ins Spiel. Im Gelände macht es daher für Vielläufer Sinn, je nach Verhältnissen und Ansprüchen zwei oder drei unterschiedliche Trailschuh-Modelle im Schrank zu haben.

Der Witterung angepasst: Bekleidung

Zum Trailrunning gehören Höhenmeter, und wo es bergauf geht, spielt das Gewicht eine übergeordnete Rolle, das ist auch bei der Bekleidung der Fall. Bei Bekleidungsgegenständen wie Shorts, Shirts oder Laufjacken sind daher Eigenschaften gefragt wie robust, wetterfest, leicht und geringer Stauraum.

Das Angebot ist riesig, die Bedürfnisse allerdings sehr individuell und nicht grundsätzlich anders als auch sonst im Laufsport, ausser dass Trailrunner vermutlich häufiger bei widrigen Witterungsverhältnissen unterwegs sind (bzw. davon überrascht werden) als Gelegenheitsläufer und mehr Stauraum benötigen. Entsprechend gibt es spezielle Shorts mit seitlicher Handytasche oder auch solche mit einer Tasche im breiten Hüftbund, oder auch schmale Hüftgürtel in unterschiedlichen Grössen zum Mitführen von Schlüssel, Handy und Riegel.

Bei raschen Temperaturunterschieden, wie sie im Gebirge auftreten, ist das Zwiebelprinzip mit dünnen Schichten nach wie vor am sinnvollsten, wobei Gilets, hauchdünne Laufjacken sowie Bein und Ärmlinge wertvolle Dienste leisten. Immer dabei sein sollte ein Kopfschutz oder ein Schlauchtuch und bei kühlen Bedingungen Handschuhe, je nach Bedingungen sind auch Gamaschen oder Kompressionssocken nützlich.

Vor allem im Gebirge: Rucksack oder Weste

Die Vorgabe an den Stauraum ist einfach: In einer Weste oder einem Trailrunning-Rucksack muss bei langen Läufen fern der Zivilisation die ganze Ausrüstung untergebracht werden, die es braucht. Mit Ausrüstung gemeint sind: Getränke, Verpflegung, Zusatzbekleidung, allenfalls Stöcke, im Wettkampf die Sicherheitsausrüstung, Handy, Schlüssel. Umgekehrt formuliert bedeutet das: Wer nicht im Gebirge oder in unbekannten Regionen im Ausland unterwegs ist und nicht länger als eine Stunde läuft, braucht nicht mehr als jeder normale Jogger, nämlich ausser guten Schuhen und adäquater Bekleidung – nichts!

Ab einer Stunde Laufzeit ist vor allem Flüssigkeit gefragt und – wenn man im Gebirge unterwegs ist – zusätzliche Bekleidung zur Sicherheit bei Wetterumstürzen oder auch Verpflegung, Sonnencreme, Kopfschutz und je nach Routenwahl Stöcke.

Spezielle Laufwesten sind vor allem zum Mittragen von Flüssigkeit in weichen Flaschen (so genannten Flasks) praktisch und zum Verstauen der wichtigsten Utensilien. Je nach Fassungsvermögen sind die Westen kleiner oder grösser konstruiert. Für Kurzstrecken-Trails reichen meist bereits 2 Liter Fassungsvermögen oder es genügt ein Hüftgurt mit Handytasche und Halterung für die Trinkflasche. Für Langstrecken und Ultra-Trails ist mehr Stauraum nötig und es geht eher in Richtung Lauf-Rucksack mit 10 bis 15 Liter Fassungsvermögen, wenn noch die dicke Regenjacke, ein Faserpelz oder eine Notfalldecke Platz haben muss.

Wichtig ist, dass Weste oder Rucksack passgenau, satt und hoch am Rücken sitzen – also weder rutschen noch scheuern. Wertige Modelle bieten meist die Möglichkeit, einfach Stöcke zu befestigen, und sie haben eine Notfallpfeife am Brustgurt.

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