Interview mit Etienne Gafner
Nach fünfeinhalb intensiven Jahren verlässt du Datasport, um neue Wege zu gehen. Welche Erinnerungen bleiben bei dir haften?
Datasport zu verlassen, war wohl eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich bis heute treffen musste. Ich brauchte mehr als sechs Monate Zeit, um sicher zu sein, dass der Moment gekommen ist, neue Horizonte zu entdecken. Als ich vor fünfeinhalb Jahren als junger Studienabgänger und "Welscher" in Gerlafingen ankam, hatte ich noch keine Ahnung, was mich erwarten würde. Und ich glaube, es war besser so. Denn als erste französischsprachige Person, die von Datasport eingestellt wurde, musste ich zunächst die Sprachbarriere überwinden und mich an die verschiedenen Akzente gewöhnen. Ich hatte dann die Chance, mich innerhalb des Unternehmens schnell zu entwickeln und immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Jeder Schritt war für mich völlig neu, und ich habe nie aufgehört zu lernen: erst Veranstaltungsmanagement, dann Coaching, dann Teammanagement und schliesslich die Leitung eines Unternehmens.
Ich bin sehr dankbar für das, was Datasport mir in dieser Zeit bieten konnte. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, sind der Teamgeist, das euphorische Gefühl, wenn die Veranstaltung erfolgreich abgeschlossen ist, die Zufriedenheit im Gesicht des Kunden, aber auch das Erlernen des Umgangs mit hohem Stress und komplizierten Situationen. Dies alles liess mich ungemein wachsen. Kurz gesagt, ich habe gelernt, mich schnell an eine neue Situation anzupassen, unter allen Umständen zu improvisieren und jedes Hindernis zu überwinden. Datasport ist mehr als ein Job, es ist eine Lebensschule.
Du hast 231,5 Einsatztage geleistet, bist Tausende Kilometer mit den Einsatzbussen gefahren und hast in 76 verschiedenen Betten geschlafen - welches waren deine prägendsten 3 Einsätze und Begegnungen?
- KitzAlpBike-Festival 2015, Kirchberg (A): Meine erste Veranstaltung in Österreich, meine ersten schlechten Erfahrungen beim Zoll, das einzige Rennen, bei dem der Start wegen meiner Schuld verschoben werden musste.
In Gerlafingen losfahrend wusste ich an diesem Mittwoch im Juni 2015 noch nicht, dass es mein "schlimmster" Tag als Einsatzleiter werden würde. Als wir am Zoll in Feldkirch ankamen (das einzige Mal, dass ich dort durchgefahren bin), liess uns der Zollbeamte mehr als drei Stunden warten, bevor er uns endlich den Weg nach Kitzbühel weitergehen liess. Mit erheblicher Verspätung ankommend, hatte ich gerade noch Zeit, Thomas N. am Start des HillClimb in Brixen abzusetzen, bevor ich die 500m Steigung mit voller Geschwindigkeit auf einer Schotterstrasse bis zum Ziel fuhr. Ich dachte, meine Probleme seien vorbei, aber der LTE-Router weigerte sich, eine Internetverbindung herzustellen. Nach einer Startverzögerung von 20 Minuten musste der Veranstalter den Start unter Androhung der Absage geben. Zum Zeitpunkt des Starts war die Verbindung noch nicht wieder hergestellt. Nur mit der Hilfe aus Gerlafingen von Oli Zurflüh konnten wir die Zeitmessung aus der Ferne durchführen und retten, was noch zu retten war. Ich weiss immer noch nicht, warum ich danach nicht den Job gewechselt habe. -
StraLugano 2017, Lugano: Das einzige Mal, dass ich dachte, ich hätte die Kontrolle über das Rennen verloren.
Im Jahr 2017 fehlte Datasport ein italienischsprachiger SSM, so dass ich herausgefordert wurde, meine italienischen Wurzeln (mein Grossvater ist effektiv Italiener) hochleben zu lassen und die Leitung des StraLugano zu übernehmen. Es war auch das erste Mal, dass ich bei diesem Rennen vor Ort war, das eine besondere Zeitmessungskonfiguration hat. Es gibt eine grosse Anzahl von Systemen, welche auf engstem Raum verteilt sind. In Begleitung von Nicola und Fabio dachten wir, wir hätten alles unter Kontrolle. Ohne an einen Vorstart für handicapierte Läufer zu denken, der zu unserer grossen Überraschung organisiert wurde, was die Zeitnahme des gesamten Laufs gefährdete. Aus verschiedenen Gründen, die hier schwer zu erklären wären, haben wir schnell mehr als 300 Fehlermeldungen erhalten. Als Nicola - der über jahrelange Erfahrung verfügt - in völliger Ungläubigkeit ausrief: "Das Rennen ist ausser Kontrolle", konnte ich nicht erkennen, wie wir da rauskommen sollten. Doch im Versuch, die Ruhe zu bewahren, haben wir uns mit jeder der 300 Fehlermeldungen befasst und es geschafft, die Situation wiederherzustellen und eine einwandfreie Arbeit zu leisten. Das hat mir einmal mehr gezeigt, dass man auch bei guter Vorbereitung manchmal improvisieren und dabei immer die Ruhe bewahren muss. -
Eiger Ultra Trail 2018, Grindelwald : Meine erste Nacht im Sprinter-Hotel *****, das erste Mal, dass das Rennen auf einer Strecke startet und auf 4 verschiedenen Strecken endet, die Freuden der Nachtarbeit.
Ich hatte schon viel über diesen Eiger Ultra Trail gehört, aber es war meine erste Erfahrung dort. Da ich lieber auf meiner Luftmatratze im Sprinter (Datasport-Van) als in einem Schlafsaal mit acht Personen schlafen wollte, war die Nacht kurz, kalt, aber ziemlich gut. Ich kann dieses Hotel nur empfehlen;)
Nach einem ruhigen Start, gefolgt von einem unbeschwerten Tag, drohten am Ende des Tages Gewitter. Nach mehreren Stunden des Zweifels trat das gefürchtete Szenario ein: der vorübergehende Abbruch des Rennens. Nach einer langen Unterbrechung startete das Rennen wieder von 6 verschiedenen Orten auf 4 verschiedenen Strecken. Wir dachten, wir hätten den schwierigsten Teil bereits hinter uns, aber das war ohne die Gedanken des OK-Präsidenten, welche mir damals zuerst überflüssig erschienen, im Nachhinein sich aber als sehr clever herausstellten und in der neuen Konfiguration der Berechnung der Zeiten für einige der Ersatzkurse resultierten. Nach einer mehrminütigen Diskussion um 3 Uhr morgens im Parkhaus im Zentrum von Grindelwald gelang es uns, ein Konzept zu entwickeln, das zwei Stunden später zur Umsetzung bereit war. Fast mit einem heroischen Gefühl verliessen wir an diesem Morgen das Berner Oberland.
Du hast viel erlebt und brichst auf zu neuen Ufern. Auf was freust du dich am meisten?
Die letzten Jahre waren sehr intensiv und sind in einem höllischen Tempo verstrichen. Ich hatte nie wirklich Zeit, eine grosse Pause zu machen und über meine Zukunft nachzudenken. Deshalb freue ich mich zunächst auf eine zweimonatige Pause, in der ich wahrscheinlich ein oder zwei Reisen ans andere Ende der Welt unternehmen werde. Ich freue mich auch auf diese beginnende Phase des Nachdenkens, auf diese Freiheit, einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können. Längerfristig freue ich mich auf eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, ein wenig mehr Regelmässigkeit und natürlich mehr freie Wochenenden. Ich hoffe auch, dass ich an einigen Datasport-Rennen als Teilnehmer teilnehmen kann, in der Hoffnung, einige von euch an der Strecke wiederzusehen oder ein paar E-Mails an info@ zu schreiben, um Marina und Barbara zu beschäftigen. Schliesslich freue ich mich darauf, weiterhin alle zwei Wochen die Sportnews zu erhalten und die Entwicklung von Datasport von aussen zu beobachten.